1. Mai „Tag der Arbeit“

Zum ersten Mal seit der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes 1949 wird es in diesem Jahr keine Kundgebungen auf den Straßen und Plätzen geben. Auch sonstige Feste und Ausflüge zum Frühlingsbeginn fallen aus, der Virus hat uns alle fest im Griff.

Wenn schon nicht der 1.Mai in Gemeinschaft und Geselligkeit begangen werden kann, bleibt doch einmal Zeit und Gelegenheit , über den Ursprung und den Sinn dieses Feiertags nachzudenken.

1890 begingen Millionen arbeitender Menschen in USA und Europa den „Weltfeiertag der Arbeit“. Ursprünglich war das ein Kampftag zur Durchsetzung des 8-Stundentages. Waren vorher Arbeitszeiten von 11 bis 13 Stunden täglich üblich, wurde allmählich der 10-Stundentag durchgesetzt. Bis zum 8-Stunden Tag war es ein langer Weg mit Streiks und nicht ohne Blutzoll. Im deutschen Kaiserreich war die Sozialdemokratie mit den Sozialistengesetzen verboten. Arbeitsniederlegungen waren mit Aussperrung sanktioniert. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der 1.Mai zwar zum Nationalen Feiertag erklärt, aber nur für das Jahr 1919 und die Arbeitszeit auf 8 Stunden wurde eingeführt. Den Feiertag auch in den Folgejahren einzuführen schlug fehl, nur in einigen Ländern wurde er als Feiertag begangen. In der Arbeiterbewegung, die ihrerseits zerstritten war, war es auch umstritten, wie der 1. Mai zu begehen war. Zu blutigen Auseinandersetzungen kam es in Berlin 1929. Nach 1933 wurde die Gewerkschaftsbewegung zerschlagen und ihre Funktionäre verfolgt. Der 1.Mai, Feiertag der alten Arbeiterbewegung, wurde von den Nationalsozialisten in Beschlag genommen und in den Dienst ihrer Propaganda gestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg teilte sich die Welt in Ost und West, DDR und Bundesrepublik Deutschland. Entsprechend unterschiedlich war auch die Art, in der der wieder eingeführte Feiertag des 1.Mai begangen wurde. Aufmärsche mit Fahnen und Transparenten an der Partei-und Staatsführung vorbei, einerseits und Kundgebungen mit Reden der Gewerkschaftsführer, umrahmt mit einem Kultur und Festprogramm andererseits. Allerdings ist nicht zu verkennen, daß die Beteiligung an den gewerkschaftlichen Veranstaltungen mehr und mehr geschwunden war und der 1.Mai zunehmend der frohen Freizeitgestaltung diente.

Doch was immer der Einzelne mit diesem Tag auch verbindet, wir haben allen Anlass uns bewußt zu sein, daß alle sozialen Errungenschaften unseres Arbeitslebens, das Recht Gewerkschaften zu bilden, das Streikrecht, die 38-Stunden Woche, der arbeitsfreie Samstag, der Mindestlohn, und vieles andere nicht als Geschenk und Wohltat auf und niedergekommen sind, sondern hart erkämpft und erstritten werden mußten. In Solidarität und nicht alleine.

Übrigens: Auch unsere Feuerwehr kann ihre schon historische Festveranstaltung am 1. Mai in diesem Jahr nicht begehen. Schade dafür. Aber im nächsten Jahr sollten wir uns dort alle wieder treffen.