Verabschiedung von Jörg Unbehauen aus dem Gemeinderat

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats, verehrte Gäste

Ich bedanke mich sehr für die wohlwollende Betrachtung meiner Person und meiner Tätigkeit durch die Vorredner und -Rednerinnen. Natürlich ist es ein Einschnitt in meinem Leben, denn an die Zeit vor der Gemeinderatstätigkeit erinnere ich mich so wie an meine Studentenzeit oder meine Referendarzeit.

Aber irgendwann stellt sich die Frage, wann ist die richtige Zeit aufzuhören. Es ist nicht die richtige Zeit auszuscheiden, wenn man immer dasselbe erzählt, wenn man nur am Vergangenen haftet, einem nichts Neues mehr einfällt oder man sich gar Neuem verschließt. Diesen Zeitpunkt wollte ich vermeiden, deshalb habe ich jetzt darum gebeten, meine Funktion niederlegen zu dürfen.

Wenn Sie jetzt vielleicht Ratschläge eines alten und langjährigen Gemeinderatsmitgliedes erwarten, so muss ich sie enttäuschen. Ich habe keine Ratschläge. Sie müssen die Dinge aus der jeweils gegebenen Situation heraus und den dann obwaltenden Umständen entscheiden und ihnen gerecht werden. - Aber ich habe Wünsche, die ich bitte, hier noch äußern zu dürfen:

Bewahren Sie die Diskussions- und Streitkultur, die im Kleinostheim Gemeinderat seit Langem Tradition ist. Sie ist, denke ich, ein Garant für sachbezogene und erfolgreiche Kommunalpolitik. Obwohl seine Mitglieder über Listen gewählt, Parteien zugehörig und in Fraktionen zusammen geschlossen sind, ist der Gemeinderat nach der Bayerischen Gemeindeordnung kein Parlament, sondern ein Verwaltungsorgan. - Das schließt ja nicht aus, dass Interessenlagen und Sichtweisen der jeweiligen politischen Grundüberzeugungen der Mitglieder entsprechen, und so die Mehrheitsentscheidungen bestimmen. Dies ist richtig und gut so. Aber meist sind die Beratungsgegenstände von Fragen nach Zweckmäßigkeit, Nachhaltigkeit, Finanzierungsmöglichkeiten und Dringlichkeit bestimmt, was zu klaren und eindeutigen Antworten führt, so dass es zu der weit überwiegenden Zahl einstimmiger Beschlüsse kommt. Dies ist kein Ausdruck von Langeweile oder Inaktivität der handelnden Gemeinderatsmitglieder. Zuweilen wird nämlich vergessen, dass die Entscheidungsgegenstände doch weniger spektakulär sind, als dass sich die großen Parteiprogramme in Ihnen realisieren könnten. Allerdings denke ich, es gibt gerade in unserer Zeit wahrlich Dinge, um die sich am rechten Ort zur rechten Zeit mit großem Einsatz zu streiten und auch zu kämpfen lohnt.

Ich wünsche Ihnen, dass sie bei ihren Entscheidungen immer den richtigen Weg für den Zusammenhalt in unserer Gemeinde und einen sinnvollen Ausgleich zwischen dem Bewahren des Bewährten und dem Streben nach Fortschritt und Entwicklung finden mögen.

Natürlich wünsche ich den Mitgliedern meiner SPD Fraktion, dass sie immer mit ihren Anliegen und Entscheidungen am Puls der Zeit sind und ihre Argumente für die Gemeinderatskollegen und die Öffentlichkeit einsichtig und überzeugend darstellen können. Und natürlich wünsche ich meiner Nachfolgerin Frau Manuela Bleuel viel Erfolg aber auch viel Freude bei der Arbeit im Gemeinderat. Ihnen wünsche ich, dass sie Ihnen eine engagierte und faire Partnerin wird.

Nun genug der Wünsche.

Abschließend möchte ich mich bei Ihnen sehr herzlich bedanken für das schöne Abschiedsgeschenk, eine Sonnenuhr mit Schatulle. Über dieses Geschenk freue ich mich wirklich sehr. Vielleicht fragen Sie sich, was findet der nur an einer Sonnenuhr. Der hat doch auch eine Quarzuhr und mit der Sonnenuhr kann man doch auch nur die Zeit ablesen und das nicht immer, sondern nur wenn die Sonne scheint. - Das ist wohl wahr. Aber es geht gar nicht so sehr um die Zeit, sondern um das Wissen um die Funktion dieser Uhr und die Beschäftigung mit dem Lauf unseres Planeten und des Gestirns in der Weite des Universums. Die Beschäftigung mit einer Sonnenuhr schafft Demut. An vielen Sonnenuhren finden sich Sinnsprüche." Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur". Oder:" carpe diem - Nutze den Tag"; die kennen Sie alle. Ich habe noch einen Spruch gefunden, der so gut zu dieser Situation und ihrem schönen Geschenk passt. Und mit dem möchte ich schließen: "Hora fugit, facta manent - Die Stunde entflieht, die Taten bleiben."

Vielen Dank, alles Gute und Tschüss!

Abschiedsrede von Jörg Unbehauen in der Gemeinderatssitzung am 28.07.2016