01.07.26.Behandlung Antrag auf Erstellung einer Bedarfsanalyse für eine Vollzeit-Pflegeheim in Kleinostheim

Wenn wir heute über diesen Antrag abstimmen, entscheiden wir nicht darüber, ob wir morgen den Grundstein für ein Millionenprojekt legen. Wir entscheiden heute über etwas viel Grundsätzlicheres: Wir entscheiden darüber, ob wir als Gemeinde vorausschauend planen oder ob wir die Augen vor der Realität verschließen.

Der demografische Wandel ist keine vage Theorie für die Zukunft. Er findet hier und jetzt auch in Kleinostheim statt. Die Gruppe der Hochbetagten und Pflegebedürftigen im Ort wächst unaufhaltsam. Und mit ihr wächst die Zahl derer, die irgendwann eine vollstationäre Pflege benötigen. Schon heute werden über 100 Kleinostheimer Bürgerinnen und Bürger außerhalb unserer Gemeindegrenzen vollstationär betreut. Das sind über 100 Kleinostheimer, die aus ihrer vertrauten Umgebung, von ihren Familien, ihren Nachbarn und ihren Vereinen weggerissen wurden, weil Kleinostheim ihnen keinen Platz bieten kann.

Das darf uns als Kommunalpolitiker nicht kaltlassen! Es ist unsere Pflicht, der Generation, die diesen Ort für uns zu einem Zuhause gemacht hat, auch im Alter ein Zuhause in Kleinostheim zu geben. Selbstverständlich gilt auch aus unserer Sicht „ambulant vor stationär“ dennoch ist dies nicht immer möglich.

Denn wir müssen der Realität ins Auge blicken: Häusliche Pflege stößt heute an harte Grenzen. Junge Familien können die Pflege oft gar nicht mehr leisten. Um den Lebensstandard zu sichern, müssen heute meist beide Elternteile voll berufstätig sein – das sehen wir ja schwarz auf weiß an den Rekord-Belegungszahlen in unseren Krippen, Kitas und der Mittagsbetreuung. Häusliche Pflege ist in diesem Alltag kaum noch abbildbar. Gleichzeitig erleben wir, dass pflegende Seniorinnen und Senioren bei der Betreuung ihrer Partner an ihre gesundheitlichen und psychischen Grenzen stoßen. Um Familien spürbar zu entlasten und Überforderung vorzubeugen, führt an einer verlässlichen vollstationären Pflege kein Weg vorbei.

Die Aussage der Verwaltung, man müsse nur abwarten, bis ein Investor von sich aus nach Kleinostheim kommt, greift völlig zu kurz. Kommunale Wirtschaftsförderung funktioniert heute nicht mehr durch Abwarten, sondern durch aktives Werben! Das ist wie beim privaten Hausbau: Da klopft auch kein Handwerker von alleine an die Tür und bettelt um einen Auftrag – man muss selbst aktiv werden, Angebote einholen und Partner überzeugen. Genau das müssen wir als Gemeinde auch tun: Wir müssen aktiv auf Investoren zugehen, die Vorzüge unseres Standorts präsentieren und sie für Kleinostheim begeistern.

Die beantragten 50.000 Euro für eine professionelle Bedarfsanalyse sind kein hinausgeworfenes Geld für ein Stück Papier. Sie sind das unverzichtbare Fundament für alles, was folgt. Kein seriöser Investor, kein Wohlfahrtsverband und keine Pflegekasse wird jemals einen Cent in einen Standort investieren, wenn wir den Bedarf nicht schwarz auf weiß nachweisen können. Mit dieser Analyse schaffen wir die Faktenbasis, um überhaupt mit dem Landkreis und potenziellen Trägern verhandeln zu können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, zu sagen 'Das ist Sache des Landkreises' ist ein wegschieben von Verantwortung. Der Landkreis reagiert dann, wenn die Kommunen Druck machen und Daten liefern. Lasst uns diesen ersten, vernünftigen und finanziell absolut überschaubaren Schritt gehen. Zeigen wir unseren älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern, dass wir sie nicht vergessen, wenn sie Unterstützung brauchen.

Die Verwaltung wird beauftragt, eine fundierte und datengestützte Bedarfsanalyse zur aktuellen und zukünftigen Pflegeinfrastruktur (vollstationär, Kurzzeit- und Tagespflege) in Kleinostheim zu erstellen und die Ergebnisse in der übernächsten Gemeinderatssitzung zu präsentieren oder ein entsprechendes Fachinstitut mit der Erstellung zu beauftragen. Nach unseren Recherchen liegen hier die Kosten für eine Erstellung bei ca. 15 -20 TD€.

Wir haben uns als SPD-Fraktion intensiv mit den Möglichkeiten einer Bürgerbefragung beschäftigt und ein Konzept ausgearbeitet. Dieses bringen wir gerne ein und stehen dem Bürgermeister und der Verwaltung zur Unterstützung zur Verfügung.

Wir bitten Sie im Namen der SPD-Fraktion um Ihre Zustimmung zu dieser Bedarfsanalyse. Vielen Dank.